Info-Abend Erbrecht: Damit das Erbe in die richtigen Hände fällt

Was muss ich beachten beim Vererben und Testament?

Was macht eine kluge Nachfassplanung aus? Tipps dazu gaben Anwälte, Notare und Steuerberater auf dem Info-Abend in Itzehoe.

Schleswig-Holsteinische Notarkammer. Unter dem Titel „Die Erbfolge selbst bestimmen“ informierten am 02.11.2017 in Itzehoe drei Experten der Schleswig-Holsteinischen Rechtsanwaltskammer, der Notarkammer und der Steuerberaterkammer über die häufigsten Fehler beim Erben und Vererben. Am Ende des Abends wurde deutlich: Damit das Erbe in die richtigen Hände fällt, braucht es eine fundierte und frühzeitige Nachlassplanung. Viele übersehen, dass das gesetzliche Erbrecht nicht immer den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht.

Finger weg von Testamentsvordrucken
Wenn kein Testament vorhanden ist, wird nach einer Erbfolge vererbt, die gesetzlich festgelegt ist. Wer eine andere Erbfolge als vom Gesetz vorgesehen wünscht oder andere Personen als Erben einsetzen will, muss dieses in einem Testament festlegen, erklärt Rechtsanwalt und Notar Friedrich Osthold. Vor Vordrucken und Mustern aus dem Internet warnt der Rechtsanwalt aus Pinneberg ausdrücklich. Testamente sind so individuell, wie jede einzelne Lebenskonstellation.

Doch Friedrich Osthold macht klar: Die gesetzliche Erbfolge lässt sich nicht ganz umgehen. Wer Ehegatte, Kinder und Eltern enterben möchte, kann dies in der Regel nur zur Hälfte tun. „Den Pflichtteil kann man nicht ausschließen. Er ist sofort fällig und an den Berechtigten in bar auszuzahlen“, so der Fachanwalt für Erbrecht. Allerdings können die Pflichtteilsansprüche durch eine kluge Gestaltung des Testaments gemindert werden. Spätestens hier sollten Erblasser einen Rechtsanwalt oder Notar zu Rate ziehen.

Keine Freibeträge vergeuden
Das Erb- und Steuerrecht gehen Hand in Hand: „Damit das Erbe in die richtigen Hände fällt und der Fiskus nicht mehr erhält als nötig, sollten Erblasser die Vermögensübertragung frühzeitig planen“, rät Steuerberater Stephan Aldag. Vorab- oder Umwegschenkungen, die „Güterstandsschaukel“ oder der Vorbehalt des Nießbrauchs an bestimmten Vermögensteilen – „es gibt eine Reihe von Modellen, um das Testament steueroptimal zu gestalten“, so der Steuerberater aus Itzehoe.

Doch Stephan Aldag warnt: „Viele Testamente sind zu kurz gedacht. Bei der komplexen Materie übersehen Laien häufig die Fallstricke“. Ein Beispiel ist das bei vielen Ehepaaren beliebte „Berliner Testament“, bei dem die Freibeträge für die Kinder unter Umständen ungenutzt bleiben: Denn wenn der zweite Elternteil stirbt, fällt das gesamte Erbe auf einmal an das Kind. Bei einem Nachlasswert von über 400.000 Euro muss das Kind Erbschaftssteuer zahlen. „Erblasser sollten prüfen, ob statt eines ‚Berliner Testaments‘ die gesetzliche Erbfolge oder auch eine andere Gestaltung des Testaments steuerlich vorteilhafter wäre“, empfiehlt der Steuerberater.

Manchmal ist Phantasie gefragt
Dass Erbschaft ganze Familien zerrütten kann, erlebt die  Rechtsanwältin und Notarin Ursula Brunstamp in ihrer Beratungspraxis immer wieder. Innerfamiliärer Streit wegen Erbangelegenheiten kann kränkend und belastend sein. „Nicht selten werden die erbrechtlichen Auseinandersetzungen genutzt, um dem anderen zu sagen, was man schon immer sagen wollte“, erklärt die Fachanwältin für Erbrecht und Familienrecht. Ein Mediationsverfahren kann der Schlüssel sein. Hierbei handelt es sich um ein offenes und ehrliches Gespräch zwischen den Konfliktparteien unter der Leitung einer dritten, unabhängigen Person. Das Fundament sind Freiwilligkeit und die Bereitschaft, miteinander zu reden.

„Manchmal ist Phantasie gefragt, damit das Ergebnis die Parteien gleichermaßen zufriedenstellt“, erklärt die Mediatorin aus Rellingen. Das ist häufig harte Arbeit – für alle Beteiligten. Doch Mediation zu wagen, lohnt sich.

Mit Verstand vererben
Wer sich die Mühe macht, seinen letzten Willen in einem Testament niederzuschreiben, sollte es richtig machen. Dazu gehört auch, das Dokument zu pflegen und es von Zeit zu Zeit darauf zu überprüfen, ob es erneuert werden muss. Ein gut durchdachtes Testament schafft dreierlei: Es schützt das Vermögen, spart Steuern und bewahrt vor Streit in der Familie. Ohne fachmännischen Rat ist das nicht immer zu meistern.

Wer sich von einem Notar zu diesen Themen beraten lassen möchte, findet im Internet unter www.notar.de den richtigen Ansprechpartner.

Redaktion: www.azetpr.com.

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