Vorsorge

Vorsorge für Unternehmer: Mutig Verantwortung abgeben

Unternehmer erteilt unternehmensbezogene Vollmacht an die Nachfolger

Durch die unternehmensbezogene Vollmacht kann die gerichtliche Bestellung eines womöglich fachfremden Betreuers vermieden werden. © Foto: Pokstock_shutterstock.com

Schleswig-Holsteinische Notarkammer. Viele Personen vermeiden es, in gesunden Tagen an die Möglichkeit zu denken, dass sie in Zukunft aufgrund ihres Alters, eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr handlungsfähig sein könnten. Es ist wichtig, dass sich jeder mit dem Thema Vorsorge auseinandersetzt – das gilt auch für Unternehmer. Die Tatsache, dass ein Unternehmen langfristig oder vorübergehend ohne Führung scheitern könnte, wird von Unternehmern oft verdrängt. Selbst im besten Fall gibt es häufig nur eine allgemeine Vorsorgevollmacht, die aber oft nicht den spezifischen Anforderungen des Unternehmens entspricht. Schlimmstenfalls steht sie im Widerspruch zu geltenden gesellschaftsrechtlichen oder gesellschaftsvertraglichen Regelungen.

Gerichtliche Bestellung des Betreuers vermeiden

Ziel der unternehmensbezogenen Vorsorge muss es sein, die gerichtliche Bestellung eines Betreuers zu vermeiden. Das Mittel der Wahl ist die unternehmensbezogene Vollmacht. Liegt eine solche Vollmacht – gegebenenfalls neben einer Vorsorgevollmacht für den privaten Bereich – vor, darf das Betreuungsgericht keinen Betreuer bestellen. Die Vollmacht geht vor. Versäumt der Unternehmer, eine unternehmensbezogene Vorsorgevollmacht zu erteilen, besteht die Gefahr, dass ein unternehmensfremder und nicht geschäftserfahrener Betreuer in die Unternehmensleitung einzieht. Zudem bedarf der Betreuer für einige seiner unternehmensbezogenen Aktivitäten der Genehmigung des Betreuungsgerichts, das weder die fachliche Kompetenz noch die unternehmerische Risikobereitschaft für eine Entscheidung im Sinne des zu betreuenden Unternehmers hat.

Wie Sie eine Vollmacht vor Missbrauch schützen, lesen Sie hier.

Mit allen Gesellschaftern abstimmen

Bei der Ausgestaltung der unternehmensbezogenen Vollmacht müssen die Rechte und Interessen der Mitgesellschafter des Unternehmers berücksichtigt werden. Unbedingt sollten die Mitgesellschafter der Vorsorgevollmacht zustimmen. Weiterhin ist es empfehlenswert, im Gesellschaftsvertrag Regelungen darüber zu treffen, dass und unter welchen Bedingungen ein Bevollmächtigter die Geschäftsführung übernehmen darf.

Sachverstand und Vertrauen

Bei der Wahl des zu Bevollmächtigenden zählt an erster Stelle unbedingtes persönliches Vertrauen. Darüber hinaus sollten aber nicht enge familiäre Bande, sondern Fach- und Praxiskenntnisse für die Auswahl der Vertrauensperson maßgebend sein. Häufig kommen langjährige Mitarbeiter in Betracht, die das Unternehmen kennen und mit der nötigen Sachkenntnis der Aufgabe gewachsen sind. Ganz wichtig: Die unternehmensbezogene Vollmacht muss für Geschäftsbeziehungen mit Dritten unbeschränkt sein. Gleichzeitig sollte der Bevollmächtigte „Regieanweisungen“ erhalten, die deutlich machen, wie der Unternehmer seine Vorstellungen in Bezug auf die Unternehmensführung umgesetzt wissen möchte.

Vollmachten notariell beurkunden lassen

Notare beraten über alle Fragen im Zusammenhang mit unternehmensbezogenen Vorsorgevollmachten. Die notarielle Beurkundung der Vollmacht ist dringend zu empfehlen, denn der Notar prüft die Geschäftsfähigkeit des Vollmachtgebers, sodass die Wirksamkeit der Vollmacht nicht angezweifelt werden kann. Darüber hinaus sorgt der Notar durch rechtssichere Formulierungen für klare Verhältnisse. Soll der Bevollmächtigte Grundstücksverträge abschließen oder gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen vornehmen, so ist dies nur möglich, wenn die Vollmachten notariell beurkundet wurden.

Wer sich von einem Notar zu diesen Themen beraten lassen möchte, findet im Internet unter www.notar.de den richtigen Ansprechpartner.

Eine Übersicht der wichtigsten Vollmachten finden Sie hier.

Redaktion: AzetPR